Empirius Tech Blog


Das Groupware-Lemma

In diesem Artikel teile ich die Überlegungen bei uns (firmenintern), wie eine sinnvolle, funktionale, auf offenen Standards basierende Groupware aussehen sollte. Nach und nach wird auch über die Erfahrungen und Probleme mit den verschiedenen Lösungen "gesprochen" (ja, hören Sie mich nicht??).


Allgemeines

Definition

Als Groupware versteht "man" - also ich ;-) - eine Software, die die Zusammenarbeit von Gruppen bestmöglich unterstützt. Hauptkomponente ist natürlich eMail, aber andererseits ist eMail alleine viel zu wenig, um einen Mail-Server als Groupware zu bezeichnen.

Aus meiner Sicht die Hauptkomponenten (neben der blanken eMail selbst) von Groupware sind:

  1. Ge-shared-te Ressourcen, wie:
    1. Kalender
    2. Adressen
    3. Aufgaben
    4. optional Räume, Beamer und andere Ressourcen
    5. Gemeinsame Ordner
    6. Notizen
  2. Synchrone Informationen auf allen Geräten (PC, Smartphone, Internet-Cafe) zu jeder Zeit
  3. Ein zentrales, globales Adressbuch
  4. Verfügbarkeitsinformationen (Kalender, Frei-/Gebucht-Zeiten, Online-Präsenz)
  5. Unified Communication
    1. Audio-/Video-Telefonie
    2. CTI, d.h. auslösen eines Anrufs z.B. aus dem Mailprogramm
    3. Screen-Sharing

Der letzte Punkt, "Unified Communication" (UC), ist die Kür, die von Zimbra m.W. nach momentan noch nicht abgedeckt wird.

Wer bei Wikipedia.de nachliest, wird feststellen, dass diese, "meine" Definition demnach "ungefähr" der enger gefassten "Definition der IT-Industrie" entspricht. Die UC ist demnach ebenfalls nicht Kernkomponente von Groupware.

De-Facto-Standard EAS

Microsoft hat hier einen proprietäten, nicht-offenen Quasi-Standard geschaffen: EAS, ausgeschrieben Exchange Active Sync.

Warum ist EAS so toll? Weil schon das kleine 1x1 von Groupware, nämlich

  • Mail
  • Kalender
  • Adressen

ohne EAS viele verschiedene Protokolle benötigt, die auf den verschiedenen Plattformen

  • Windows-PC
  • Apple-Welt
  • Android

leider nur unterschiedlich gut bzw. nicht vollständig abgebildet werden.

Natürlich gibt es für alles mehr oder minder gut funktionierende Zusatztools, aber "ab Werk" versteht z.B. Android kein CalDAV oder CardDAV. Andererseits ist Microsoft natürlich "so schlau", dass sie diese offenen Protokolle wiederum NICHT in ihr Outlook integrieren ...

Aber auch ohne dieses Kriterium "Outlook" bleiben die "offenen Standards" leider um EINIGES aufwendiger und auch fehlerbehafter, als das "einfache" EAS:

  • IMAP ist noch das am saubersten funktionierende Protokoll (das funktioniert "nur" mit Outlook 2013 nicht mehr so gut ... Ein Schelm, wer Böses dabei denkt)
  • CalDAV ist sehr unterschiedlich implementiert und die Spezifization ist sehr komplex, was zu vielen Implementierungsfehlern in den verschiedenen Connectoren führt
  • CardDAV hat im Prinzip das gleiche Problem, und ist eben zudem wieder: ein eigenes, zusätzliches Protokoll (das dritte neben IMAP und CalDAV)
  • Für Outlook-Aufgaben gibt es gleich gar kein Standard-Protokoll und Android kennt auch keine Aufgaben in dem Stil von Outlook. Daher behilft man sich damit, Aufgaben identisch wie Kalender-Einträge zu behandeln
  • Um also nur diese drei(-einhalb) Dinge zu syncen, muss man ohne EAS schon VIER verschiedene Konten einrichten!!
  • Was dann aber immer noch nicht dabei ist, sind die sogenannten Frei-/Gebucht-Zeiten. Prinzipiell gibt der CalDAV-Standard dies zwar her, aber die meisten Implementierungen, die ich gesehen habe, sind spätestens hier fehlerbehaftet.
  • Rechte-Verwaltung ist zwar möglich, aber auch nicht gerade intuitiv (Welchen Kalender muss ich denn nun abonnieren? Den eigenen oder den anderen?)
  • Die Apple-Welt spricht wiederum keines der bisher erwähnten Protokolle sondern iCal ... Also wieder konvertieren inkl. der dabei auftretenden Bugs

Dagegen kann jedes Eierfon, jedes Android und natürlich jedes Kachelding ab Werk EAS. Und Outlook, welches eben nunmal das einzige im Business-Umfeld bestehende Mailprogramm ist, sowieso.

Nun kann man das schlecht finden und im privaten Umfeld auch ohne "diesen Schmarrn" leben und es daher meiden/boykottieren, aber im beruflichen Umfeld gibt es aus o.g. Gründen keine Alternative! Wer das anders sieht oder wer Alternativen weiß: Bitte melden!!!!

Alternativen

Wenn man den Dienst aus der NSA-Cloud nicht so schätzt, bleibt einem nur die Alternative "Hosted Exchange" bei einem deutschen Provider oder eben der Schritt zu einer Groupware, die EAS bestmöglich unterstützt. Mit letzterer hat man immerhin die Chance, aus dem reinen Microsoft Gefängnis auszubrechen. Warum ich das will, ausbrechen? Weil m.E. Outlook 2013 ergonomisch ein absoluter Rückschritt ist. Ich würde gerne die Oberfläche von Outlook 2003 zurückhaben. Aber weil das Leben kein Wunschkonzert ist, muss ich mir halt was anderes überlegen ...


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